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Viel zu früh reißt uns der durchdringende Summton unseres kleinen Reiseweckers aus den schönsten Träumen und im Frühstücksraum stoßen wir flüchtig mit einer Tasse Kaffee auf den gelobten und geschätzten Vatertag an. Die Regenfront hatte sich über Nacht verzogen und ein blauer Himmel wischte unsere Sorgenfalten von der Stirn. Ob ungeplant, oder als sichtbares Zeichen litauerischer Aufmerksamkeit, werteten wir den Zwischenstopp unseres Taxifahrers vor dem beschriebenen “weißen Schwan² im Altstadtkern. Immer wieder kamen von unserem Filmemacher Jan, dessen Profil sich nur schemenhaft in einer Zigarrendunstwolke abzeichnete, kurze Anweisungen für den Vatertags-Kulturfilm.
Wieder einmal die zeitraubenden und gründlichen Startvorbereitungen. Endlich sitzen wir wieder in der Maschine und verfolgen die von unserem Navigator Uwe Tensfeldt angefragte Startfreigabe mit unserem neuen Ziel Tallinn. Noch eine Weile genießen wir die Sicht aus der Vogelperspektive auf die beiden Flüsse Nemunas und Neris, bis die Landschaft wieder im gewohnten Bild der endlosen Waldlandschaften, vielen Seen und saftigen Wiesen unter uns hindurchtaucht. Starke Windböen lassen unsere Hände jetzt häufiger an den Sicherheitsgurten als am Auslöser der Kamera. Endlich, vor dem tiefen Blau der Ostsee taucht Tallinn, die Hauptstadt der Republik Estland, am Horizont auf. Auch hier wieder freundlicher Empfang und eine mühselige Suche nach einem freien Hotel beginnt, denn die Finnen haben Feiertag und nutzen die günstige Fährverbindung zwischen Helsinki und Tallinn zu einem längeren hochprozentigen Wochenendausflug.
Unsere Flugleitung hat uns in einem Hotel, fast am Rande der Stadt, unterbringen können. Allein schon die vielen Eindrücke dieser Stadt machen uns auf die bevorstehende Stadtbesichtigung neugierig. Den Vatertagsabend genießen wir in gemütlicher Runde und dem vergeblichen Versuch, den begehrten Elchbraten auf unseren Gabeln zu kosten; dafür überraschen uns andere landestypische Speisen und ein süffiges Bier zwischen unzähligen finnischen Gästen.
Der Freitag zählt dann zu schönsten Reiseeindrucken, die dieser junge EU-Staat aufzubieten hat. Eine junge Studentin, die fast genausoviel Aufmerksamkeit wie die Sehenswürdigkeiten der Stadt auf sich zieht, führt uns durch das historische und moderne Tallinn. Im Telegrammstil speichern wir die wichtigsten Daten: Estland ist die nördlichste der drei baltischen Republiken und grenzt im Norden und Westen an die Ostsee, im Osten an die Russische Föderation und im Süden an Lettland. Ausgedehnte Wälder, Dünenstrände, 1500 Seen und ca. 800 Inseln prägen die schöne und abwechslungsreiche Landschaft. Staatsform: Republik seit 1991. Estland ist ein Land mit einem sich rasant entwickelnden Tourismus.
Auf unserem Spaziergang mit unserer charmanten Reiseleiterin entdecken wir die spannende Symbiose aus Geschichte und Gegenwart. Die reichhaltige Geschichte mit all ihren Windfahnen sowie Schloss- und Kirchtürmen, mit roten Dächern und Steingärten wird zur Wirklichkeit. Schon im Mittelalter war Estland ein integraler Bestandteil des europäischen Kulturraumes, und der Handel über die estnischen Häfen ließ den Wohlstand und den Bekanntheitsgrad dieser Region ansteigen. Eine dieser Jahrhunderte alten Hafenstädte ist Tallinn, die gewiss für sich schon eine einzigartige Sehenswürdigkeit ist. Die Tallinner Altstadt, die 1997 in die von der UNESCO geführten Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, ist märchenhaft und faszinierend, wie eine tausendjährige Stadt sein muss. Die Menge der Touristen in Tallinn spricht für sich und betont auch die aus uralten Zeiten erhalten gebliebene freundliche Atmosphäre, Anziehungskraft und Gastfreundschaft der Stadt.
Wir haben diese Stadt auf unserer kurzen Reise liebgewonnen und unsere Reiseführerin hat mit den beschriebenen Schönheiten eher noch untertrieben. Noch eine Steigerung estländischer Gastfreundschaft erfuhren wir in dem Cafe auf dem historischen Markplatz von Tallinn. Hier können wir gut einen Stern im internationalen Restaurantführer vergeben, denn die attraktive Bedienung war nicht nur sehr kommunikativ und freundlich, sondern servierte ebenso so riesige und köstliche Kuchen- und Sahnestücke. Ein Ausflug in den Hafen von Tallinn bot für uns noch einmal das Erlebnis, das Geschehen beim Einlaufen einer finnischen Großfähre zu verfolgen. Auf unserem weiteren Streifzug durch die Altstadt folgten wir dem Besucherstrom in eine typisch russisch-orthodoxe Kirche. Schon bald waren wir umringt von den gläubigen Menschen, die in ihrer Kleidung ganz unserer Vorstellungswelt russischer Gläubiger entsprach. Der Gottesdienst bot in seiner Ausführung noch einmal tiefe Einblicke in die Kultur dieser Religion und hielt uns mit der ganzen Vielfalt bis an Ende in seinen Bann. Da unser Hotel total ausgebucht war, verbrachten wir den Abend in einem geräumigen Bungalow ganz in der Nähe unseres Hotels. Eiligst wurden zusätzliche Betten ins Wohnzimmer geschafft um dann in gemütlicher Runde die “Neuen” mit reichlich Fliegerlatein zu versorgen.
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