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Sportfluggruppe Oldenburg e.V.

Routing und Landschaften

Sommertour 2009: Italien
Das Routing, die Flüge und die Landschaft

Unsere 14-tägige Tour begann mit zweitägiger Verspätung und einer Umplanung der Route: Da eine anhaltende Gewitterlage schon seit zwei Wochen sowohl den Überflug der Alpen als auch die Passage östlich an Wien vorbei und über den Plattensee unmöglich machte, wichen wir westlich aus und flogen die geplante Tour "gegen den Uhrzeigersinn". Vorsichtshalber packten wir auch Kartenmaterial für ganz Frankreich und Spanien ein.

090629Italienflug001LeDoubsColumbierChatelotRaitoAm 28. Juni 2009 bepackten wir die D-ELEV in Mariensiel (EDWI) mit vier Personen, kleinem Gepäck und viel AVGAS. Eine ganze Weile hielten wir Südkurs, überquerten bei Bingen den Rhein, schwenkten leicht östlich und folgten dann ab Rastatt dem Rhein flußaufwärts bis nach Bremgarten (EDTG).

Auch am folgenden Tag, dem 29. Juni, war nur ein einziger, dafür aber langer Leg geplant. Unter Führung von Basel Control ging es mit einem Heading von 245° südlich an Mulhouse und Belfort vorbei. 090629Italienflug002BesanconIn Montbeliard stießen wir auf den von Süden sich durch die Landschaft schlängelnden Fluß Le Doubs und begleiteten dessen viele Windungen bis nach Besancon. Von dort nahmen wir Kurs auf Lyon und flogen  - immer in gebührendem Abstand zu den Atomkraftwerken - dem Rhonetal folgend an Valence und Montelimar vorbei nach Nîmes. Dort landeten wir bei strahlendem Sonnenschein und damit verbundener Mittagshitze auf dem südlich der Stadt gelegenen Flughafen Nîmes-Garons (LFTW).

Nach dem Frühstück am 30. Juni riefen wir den Flugplatzmanager in Albenga (LIMG) an und ließen uns bestätigen, dass wir die ELEV dort über Nacht abstellen und auch betanken können. Auf dem Flugplatz in Nîmes wurden wir zu Fuß über das Apron zu unserer Maschine begleitet, mit einer Zwangsunterbrechung, da die Passagiere eines gerade gelandeten RyanAir-Fluges ebenfalls zu 090630Italienflug004SanRemoFuß unterwegs waren und unseren Weg kreuzten. Beim Takeoff um 09.30 UTC war es schon wieder recht heiß, und die Schwimmwesten, die wir nun anlegten, trugen keineswegs zur Kühlung bei. Die Wetterberatung versprach durchgehend CAVOK, sodass wir den Leg entlang der Küste bei besten Sichten genießen konnten. Zunächst steuerten wir Arles an, von dort ging es am Rande des Naturparks der Camargue zum Golf de Fos. Von hier an folgten wir in ständigem Kontakt mit den diversesten Controllern den vorgegebenen VFR-Routen. In gebührendem Abstand passierten wir meerseitig Marseille, flogen zwischen dem Festland und der Île Maire hindurch und blieben bis La Ciotat in der Nähe der felsigen Küste. Die beiden folgenden Meeresbuchten ließen wir "links liegen", steuerten die Île de Porquerolles an und machten bald darauf einen landseitigen "Shortcut" von Saint-Michel nach Saint-Tropez. Vom Controller vor die Wahl gestellt, ob wir Cannes meer- oder landseitig umfliegen möchten, entschieden wir uns für die Berge. Der Lac de Saint Cassien war der erste Wendepunkt, mit Kurs 060° ging es nördlich an Nizza vorbei und von dort mit Ostkurs nach Monaco und damit wieder an die Mittelmeerküste. An Ventimiglia, San Remo und Imperia vorbei erreichten wir Alassio, den Meldepunkt für den VFR-Anflug von Albenga. Im Queranflug wurde es dann etwas angespannt, da sich ein Hügel genau dort niedergelassen hat, wo wir eigentlich den Sinkflug eingeplant hatten. Aber mit Uwes Erfahrung und einer willigen Piggi ließ sich auch dieses Hindernis überfliegen. Nach der Landung und den Zollformalitäten erwartete uns schon der Flugplatzmanager; er hatte, da wir ja von Nîmes aus angerufen hatten, schon für ein Hotelzimmer in Alassio gesorgt.

090701Italienflug006LagoDiBolsenaAm kommenden Tag, dem 01. Juli, wollten wir bis nach Rom fliegen und dort stadtnah auf dem Flugplatz Roma-Urbe (LIRU) landen. Wieder ließen wir uns telefonisch bestätigen, dass unsere Piggi dort über Nacht stehen bleiben kann und dass wir AVGAS bekommen. Die Wetterprognose per Satellitenbild, Metar und Taf prophezeite im Golf von Genua mögliche gewittrige Schauer, ansonsten sollte es problemlos sein. Wieder legten wir die Schwimmwesten an und starteten von Albenga aus direkt mit Kurs auf die Rivieraküste. Genua-Approach bot uns den Durchflug durch die Kontrollzone an, sodass wir direkt parallel zur Landebahn den Airport "Cristoforo Colombo" passierten. Nicht ganz so unkompliziert ging es weiter. Die "prohibited areas" rund um La Spezia führen weit aufs Meer hinaus und zwangen uns dazu, bei Vernazza die Küste der Cinque Terre zu verlassen und statt dessen eine ausgiebige Begutachtung des Mittelmeeres vorzunehmen. Erst in Viareggio stießen wir wieder "an Land" und folgten den Stränden und Pinienwäldern an Cecina, Grosseto und dem Naturpark der Maremma vorbei. In Talamone nahmen wir Kontakt mit Roma-Approach auf und wurden ins Landesinnere zum Lago di Vico, dem kleinsten der drei Vulkanseen nördlich Roms, gelotst. Von dort führten die Meldepunkte direkt auf Roma-Urbe zu. Insgesamt war dieser Leg auch wegen der unkomplizierten Führung seitens der Controller problemlos.

090704Italienflug009AmalfiNach einem dreitägigen Romaufenthalt (siehe "Städte und Sehenswürdigkeiten") ging es am 04. Juli weiter Richtung Süden. Mittlerweile obligatorisch war der Anruf am Zielflughafen Salerno (LIRI) wegen der Abstell- und Tankmöglichkeiten. Die Sichten waren wegen hoher Luftfeuchtigkeit nicht so gut, sehr zu unserem Ärger, denn wir wollten ja die Inseln Ischia und Capri sowie die schöne Amalfiküste aus der Luft anschauen. Nach dem Abflug aus Rom ging es zunächst über viele Meldepunkte östlich an der Stadt vorbei, erst in Aprilia kam die Küste in Sicht und bei Terracina erreichten wir das Meer. An Gaeta vorbei ging es bis nach Volturno und von dort aufs Meer hinaus in Richtung Ischia. Der besseren Sichten wegen kletterten wir über die erste Wolkenschicht (scattered) und sanken dann auf dem Wege von Ischia nach Capri auf 1000 ft. Die Amalfiküste war dann leider sehr diesig, in den Bergen lagen Cumuluswolken auf. Aber da wir ja einen Tag Aufenthalt und einen Ausflug mit einem Mietauto eingeplant hatten, beschlossen wir, die Küste noch an diesem Nachmittag abzufahren. Auch der Flugplatzmanager in Salerno erwies sich als sehr hilfreich bei der Hotelzimmer- und Autobeschaffung (siehe hierzu "Flugplätze").

090706Italienflug014StrettoDiMessinaNach eintägigem Aufenthalt mit Besichtigung der Amalfiküste und von Pompei (siehe "Städte und Sehenswürdigkeiten") machten wir uns auf den Weg zum südlichsten Ziel der Tour: Ein Überflug der Straße von Messina und anschließende Landung in Reggio Calabria (LICR) waren geplant.090706Italienflug0014ReggioCalabria

 

 

 

Auch auf diesem Flug war es leicht diesig, doch als wir in die Straße von Messina einbogen, war der Ätna stolz und majestätisch über Sizilien thronend gut zu erkennen. Ziemlich durchgeschwitzt wegen der Schwimmwesten und der Temperaturen entstiegen wir in Reggio Calabria der ELEV und fanden in der Bodencrew einen hilfsbereiten Marshall, der uns eine günstige "Bed an Breakfast"-Unterkunft (siehe "Städte und Sehenswürdigkeiten") vermittelte. Bereits eine Stunde später wurde Uwe in der Straße von Messina von einer Feuerqualle touchiert und entstieg dennoch zufrieden dem Meer: Er hatte sein Ziel erreicht.
090707Italienflug015CeglieMessapicaDer folgende Tag, der 07. Juli 09, wurde ab Mittag der einzig ärgerliche der gesamten Tour. Aus irgendeinem Grunde riefen wir  - entgegen unseren Gewohnheiten - nicht am Zielflugplatz Foggia (LIBF) an und auch nicht beim geplanten Tankstopp in Brindisi (LIBR). Beides erwies sich als Fehler: Brindisi hatte nämlich kein AVGAS zum Auftanken und in Foggia gab es keinen Stellplatz für unsere Piggi (siehe hierzu "Flugplätze"). So mussten wir umplanen, riefen von Foggia aus in Pescara an, doch die nahmen an diesem Tage nur IFR-Verkehr an, und auch Ancona konnte uns keinen Stellplatz für die Piggi garantieren. Also landeten wir nach insgesamt drei Flügen an diesem Tage wieder in Salerno (LIRI), wo wir ja schon zwei Tage zuvor gewesen waren.

090707Italienflug016BrindisiAm 08. Juli wollten wir von Salerno aus Richtung Foggia, Pescara, Ancona und dann über die Adria hinweg nach Losinj in Kroatien fliegen. Losinj bestätigte telefonisch, dass sie einen Stellplatz und AVGAS für uns haben, und in Salerno stand auch schon der Zoll parat, da wir ja die EU verlassen wollten. Nach einigem Kompetenzgerangel unterschiedlicher Behördenvertreter erfolgte dann die Zollkontrolle: Thomas musste sein Portomonnaie vorzeigen, es wurde nachgezählt und festgestellt, dass der enthaltene Betrag nicht annähernd an die erlaubten 9999,- € heranreichte. Das war's. Überraschung dann beim Auftanken: 090708Italienflug017FlugSalernoLosinjDer Marshall fuhr vor und übergab uns ein Notam, das zu einem Umdisponieren der Flugroute führte. Der Grund: G8-Treffen in L' Aquila; großzügige Sperrung des Luftraumes, betroffen war auch Pescara. Also planten wir um und wollten die Adria von Foggia aus in Längsrichtung von Süd nach Nord überqueren. Zunächst aber musste die ELEV nach dem Takeoff bis auf 6.500 ft steigen, um die teilweise in der Bergen aufliegenden Quellwolken zu überfliegen. Anschließend erfolgte Thomas' bislang längster Flug über unbesiedeltes - wenn man einmal von den paar Bohrinseln der Adria absieht -  Gebiet.

090709Italienflug019FlugLosinjUngarnEin Blick auf das Satellitenwetter und die zugehörigen Metars und Tafs ließen am 09. Juli schnell erkennen, dass eine Alpendurchquerung nicht möglich sein würde. Also planten wir den "Umweg" über Ungarn mit Tankstopp in Fertőszentmiklós nahe der österreichischen Grenze. Der Flug dorthin führte uns durch Slowenien, wo zwei weitläufige Gewitterschauer uns zu Ausweichmanövern zwangen. Nach dem Auftanken von Mensch und Maschine nahmen wir nachmittags Kurs nördlich an Wien vorbei und dann der Donau entlang nach Eggenfelden, wo uns - wie schon in Bremgarten - wegen angekündigter Gewitter sogar ein Hallenplatz bereitgestellt wurde.

 

090709Italienflug020FlugLosinjUngarnSchlechtes Wetter im Norden und der Mitte Deutschlands ließ uns am 10. Juli nur bis nach Erfurt gelangen, was aber nicht weiter tragisch war, da es sich um eine allemal besichtigenswerte, schöne Stadt handelt. Auch am 11. Juli war das Wetter nicht gerade wunderbar, tiefliegende Wolken und diesige Sichten bis nach Wilhelmshaven. Trotzdem ließ es sich sicher fliegen, nur ein kräftiger Gewitterschauer über Oldenburg musste westlich umflogen werden.

 

 

090709Italienflug021FlugMelkNach insgesamt 14 Tagen ging die Italientour am 11. Juli mit der Landung in Mariensiel zu Ende; es war eine ganz tolle Tour, die letztendlich nur durch den Ärger in Brindisi und Foggia (siehe hierzu "Flugplätze") einen leichten Dämpfer bekommen hat.

 

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Edited: 2010-July-13

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